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Chronik

Die Gründung der SpVgg Fürth im Jahr 1903

Aktualisiert am · 3 Minuten Lesezeit

Am 23. September 1903 trafen sich ein paar junge Männer in einem Wirtshaus in der Fürther Gustavstraße. Was sie dort gründeten, wurde zehn Jahre später der mitgliederstärkste Sportverein Deutschlands.

Fassade eines Altbaus in der Fürther Gustavstraße
Die Gustavstraße in der Fürther Altstadt. Hier, im Gasthaus Balzer, wurde 1903 die Spielvereinigung gegründet. Foto: Janericloebe, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

Fußball war um 1900 in Franken noch ein Exot. Die Turnvereine bestimmten den Sport, und Turner sahen das englische Spiel mit dem Ball oft skeptisch. Auch in Fürth kickten die ersten Fußballer zunächst unter dem Dach eines Turnvereins, des TV 1860 Fürth.

Der Abend im Gasthaus Balzer

Am 23. September 1903 kamen Fußballer aus dem TV 1860 im Gasthaus Balzer in der Gustavstraße 61 zusammen und gründeten die Spielvereinigung Fürth. Der Name sagt schon einiges: Eine „Spielvereinigung“ war ein Zusammenschluss von Leuten, die spielen wollten, und zwar Fußball, nicht Geräteturnen.

Ganz eigenständig war die neue Abteilung anfangs noch nicht. Die Verbindung zum Turnverein blieb zunächst bestehen. Erst am 21. November 1906 machte sich die SpVgg endgültig selbstständig. Dieses Datum ist für die Vereinsgeschichte fast so wichtig wie der Gründungstag, denn ab da konnte der Verein eigene Plätze pachten, eigene Mitglieder werben und eigene Entscheidungen treffen.

Ein eigener Platz am Ronhofer Weg

Ein Verein ohne eigenen Platz bleibt Gast. Die Fürther lösten das Problem 1910: Am 11. September wurde der „Sportplatz am Ronhofer Weg gegenüber dem Zentral-Friedhof“ eröffnet. Ronhof war damals noch eine eigenständige Gemeinde vor den Toren Fürths. Eine kleine Holztribüne und Erdwälle boten Platz für rund 8.000 Zuschauer.

Schon ein Jahr später wurde die Tribüne vergrößert, um 1919 passten nach weiteren Ausbauten etwa 25.000 Menschen auf das Gelände. Mehr zur Geschichte des Stadions steht im Beitrag über den Sportpark Ronhof.

Rasantes Wachstum

Warum wuchs die SpVgg so schnell? Ein Grund war die Stadt selbst. Fürth war eine Industriestadt mit vielen jungen Arbeitern und Angestellten, die Freizeit hatten und einen Verein suchten. Dazu kam die direkte Nachbarschaft zu Nürnberg, wo der 1. FC Nürnberg ebenfalls gerade groß wurde. Die Rivalität spornte beide Seiten an, mehr dazu im Beitrag zum Frankenderby.

Ein weiterer Grund war der sportliche Ehrgeiz. Die SpVgg holte sich früh einen englischen Trainer, William Townley, der ab 1911 in Fürth arbeitete. Das war für die Zeit ungewöhnlich und zahlte sich aus.

1914 hatte der Verein über 3.000 Mitglieder und war damit der größte Sportverein Deutschlands. Im selben Jahr gewann die erste Mannschaft ihre erste deutsche Meisterschaft.

Was von der Gründerzeit bleibt

Einiges aus diesen frühen Jahren prägt den Verein bis heute. Die Farben Weiß und Grün sind geblieben, das Kleeblatt aus dem Fürther Stadtwappen ebenso (warum Fürth überhaupt ein Kleeblatt im Wappen hat, erklärt der Beitrag Warum Fürth ein Kleeblatt trägt). Und der Ronhof ist nach mehr als hundert Jahren immer noch die Heimat der Mannschaft. Das ist im deutschen Profifußball selten geworden, denn viele Traditionsvereine sind längst in neue Arenen am Stadtrand gezogen.

Die Gustavstraße wiederum ist heute eine Kneipenmeile der Altstadt. Wer an einem Spieltag durch Fürth läuft, kommt fast zwangsläufig an der Gegend vorbei, in der alles begann.